Natürlich haben wir alle in den letzten Monaten alle Register gezogen und sämtliche Strategien ausprobiert, um mit dieser, sagen wir es mal höflich, äußerst herausfordernden Situation so gut wie möglich umzugehen. Nichts desto trotz ist es genauso wichtig sich jetzt auch mal einzugestehen, dass die ganze Sache schon verdammt lange dauert. Und vor allem Menschen in schwierigen Lebenssituationen, dazu gehört es auch schon unter „normalen Umständen“ auf Jobsuche zu sein auch, geht langsam, aber sicher die Luft aus bzw. ist sie gefühlt schon ausgegangen.

Von motiviert sein ist längst keine Rede mehr. Es geht sehr oft nur mehr darum, sich das letzte bisschen Energie so gut wie möglich einzuteilen, um die Erledigungen des Alltags zu schaffen.

Die Unterschiede zwischen Wochentagen und Wochenenden sind verblasst und es wird immer schwieriger, sich selbst in irgendeiner Form zu belohnen. Von Lust und Lebensfreude gibt es keine Spur.

Und obwohl die Politik weiterhin Durchhalteparolen predigt, sehen viele ihre Zukunftsaussichten nur mehr wenig rosig. Und mal ehrlich, wer von uns ist denn bis dato schon mal einen Marathon gelaufen bzw. wäre überhaupt in der Lage, eine derartige Aufgabe nur annähernd zu meistern. Wie soll es jetzt noch weitergehen?

Experimente mit der Hoffnungslosigkeit

„Ye tang che“ sagen die Tibeter und meinen damit einen Zustand der völligen Erschöpfung, in unserer Sprache in etwa gleichbedeutend mit „endgültig die Schnauze voll haben“ bzw. die Hoffnung vollkommen aufgeben.

Da fragt man sich natürlich im ersten Augenblick sofort, was denn jetzt so toll an einem derartigen Zustand sein sollte. Klarer wird das wie so oft erst beim nochmaligen Hinschauen. Es ist nämlich der Punkt an dem wir 100-prozentig akzeptieren, dass es weder einen Ort, noch eine Zeit gibt, an dem oder in der es besser ist, als dort wo bzw. wann wir uns gerade befinden. So etwas wie Sicherheit, nach der wir so oft streben, wird es also nicht mehr geben.

Weiters gehört auch die Einsicht dazu, dass es nie mehr eine bessere Version unserer selbst geben wird. Das ist natürlich gerade für uns in der westlichen Welt absolut schwer zu verdauen, wo wir uns doch permanent damit beschäftigen, uns irgendwo hin zu entwickeln, Ziele zu setzen, Zukunftspläne zu schmieden oder möglicherweise sehr viel Energie allein dafür aufwenden, ein von uns kreiertes Selbstbild künstlich aufrecht zu erhalten.

Vieles davon ist für eine konventionelle Karriereentwicklung durchaus hilfreich und deshalb kein Widerspruch. Aktuell sind wir allerdings mit einer Situation konfrontiert, die es so für die meisten von uns noch nie zuvor gegeben hat.

Ich stelle meinen New-Placement-Kundinnen und -Kunden jetzt in diesem Zusammenhang gerne folgende Frage: „Und angenommen, jeglicher Aufwand, den Sie in diesem Zusammenhang (mit dem vorher genannten) in der Vergangenheit betrieben haben, fällt plötzlich über Nacht weg, was ist dann anders?“

Die meisten New Outplacement Kundinnen und –Kunden atmen sofort tief durch, gepaart mit der Antwort, dass dies eine ungemeine Erleichterung wäre. Manche beginnen herzhaft zu lachen und nennen eigene Verhaltensweisen, die sie liebend gern sofort ablegen würden bzw. Aufgaben, die sie unter keinen Umständen mehr machen möchten.

Bei anderen löst es wiederum Trauer aus, weil ihnen dadurch schlagartig bewusst wird, wo von sie sich ganz sicherlich verabschieden werden müssen. Wie auch immer die Reaktion ausfällt, es kommt offensichtlich sehr vieles in Bewegung und gleichzeitig stellt sich bei vielen eine gewisse Form von Gelassenheit ein.

Und davon können wir aktuell in mehr je denn benötigen. Aber bitte Vorsicht, wenn die Hoffnungslosigkeit selbst sich so gar nicht mehr verabschieden will und sich Schlafstörungen, Ermüdungszustände und Ängste dazu gesellen, dann ist es an der Zeit sich professionelle Unterstützung zu holen.

Alte Quellen anzapfen

Jean Paul Sartre sagte einst: „Vielleicht ist es nicht die beste Zeit, aber es ist die unsere.“ Wohlgemerkt hat er am 2. Weltkrieg teilgenommen, war in Kriegsgefangenschaft und hat es anschließend geschafft, unter widrigsten Umständen gemeinsam mit seiner Partnerin Simone de Beauvoir ein völlig neues Lebenskonzept zu entwerfen und zu leben.

Natürlich sind die beiden nur ein, wenn gleich auch sehr prominentes Beispiel dafür und nach wie vor ist die aktuelle Situation ganz und gar nicht mit der Zeit des Wiederaufbaus zu vergleichen. Schon allein diese Erkenntnis ist in Anbetracht der allseits vorherrschenden Kriegsrhetorik jedoch sehr wohltuend und heilsam.

Allerdings empfehle ich meinen New Outplacement KundInnen  aktuell verstärkt alte Quellen anzuzapfen, also Menschen zu treffen und zu befragen, welche es bereits einmal gemeistert haben, unter sehr schwierigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu leben.

Das ist eine gute Möglichkeit längst vergessenes Wissen anzuzapfen, um vor allem eine hilfreiche Haltung zu kultivieren. Zusätzlich fördert es den aktuell so wichtigen Generationendialog und es ergeben sich wundervolle, teils sehr humorvolle Gespräche.

Sehr gut geeignet sind derzeit vor allem Spaziergänge unter freiem Himmel. Aja und wenn man getestet ist und Abstand hält dann darf man beruhigt auch die Maske abnehmen. Dann fällt das zu Atem kommen gleich um vieles leichter.

Gutes Gelingen!

Michael Hanschitz

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