Antworten auf scheinbar unbeantwortbare Karrierefragen finden

Eine erfolgreiche Karriere ist die Summe vieler guter Karriereentscheidungen. Aber wie kommen „gute Karriereentscheidungen“ denn überhaupt zu Stande? Wie kann es gelingen quasi unentscheidbare Fragen zu beantworten?

Entscheidbare versus unentscheidbare Fragestellungen

Paul Watzlawick sagt:“ Nur die Fragen, die im Prinzip unentscheidbar sind, können wir entscheiden!

Entscheidbare Fragen sind diejenigen, die wir aufgrund von Zahlen, Daten oder Fakten ganz klar bewerten können. Das sind Fragen wie zum Beispiel: Wie viele Menschen befinden sich im Raum X? Oder wie viele Produkte müssen im Jahr 2018 verkauft werden, um den Break Even zu erreichen? Daneben gibt es dann eben auch die sogenannten Unentscheidbaren – die eigentlichen Lebensfragen. Dazu gehören Fragen zur Wahl des richtigen Lebenspartners sowie natürlich Fragen zur Berufswahl. Sie haben die Qualität, dass Sie durch Zahlen, Daten oder Fakten nur unzureichend eingeschränkt werden können, sodass wir zu ihrer Beantwortung auf unsere Werte, Gefühle, Intuition angewiesen sind. Ein weiterer Aspekt, der ihnen innewohnt, und sie deshalb so kniffelig werden lässt, ist die Zukunftsunsicherheit, die mit ihrer Beantwortung einhergeht. Wir können heute einfach nur schätzen wie sich der Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren entwickeln wird – Wissen werden wir es einfach nie!

Wie gehe ich mit derartigen Karriereentscheidungen um?

Viele sagen: „Hör auf dein Bauchgefühl“ andere wiederum schwören auf die altbewährte Plus/Minus Liste und wieder andere vertrauen auf Horoskope und WahrsagerInnen. Ich persönlich bin bei Karriereentscheidungen ein Fan von Heinz von Försters ethischem Imperativ: „Handle stets so, dass mehr Möglichkeiten entstehen“. Heinz von Förster war ein Vordenker und Wegbereiter des Konstruktivismus, der davon ausgeht, dass jeder von uns sich seine eigene Wirklichkeit konstruiert.

Aber ist das jetzt nicht ein Widerspruch werden sich viele denken. In einer Entscheidungssituation zu vielleicht zwei Möglichkeiten weitere Möglichkeiten hinzuzufügen. Also de facto aus einem Dilemma ein Polylemma zu machen. Nicht unbedingt! Eine Entscheidung birgt im Kern ja eine Veränderung in sich und aus diesem Wunsch oder Bedürfnis danach erwachsen in der Regel zwei Wege, Möglichkeiten, Varianten oder Positionen. Ein häufiges Beispiel für ein solches vermeintliches Dilemma wäre: Im jetzigen Unternehmen bleiben oder seinen Job kündigen. KundInnen, die zu mir ins Karrierecoaching kommen pendeln sehr oft zwischen diesen beiden Möglichkeiten hin und her, ohne sich jedoch zu einer Entscheidung durchringen zu können. Begleitet wird dieser Zustand von einem permanenten Grübeln bis hin zu Unsicherheit respektive Unzufriedenheit, was auf Dauer sehr anstrengend ist und sowohl Performance im beruflichen wie im privaten Leben kostet.

Wie kann ich vorgehen?

1.) Dem Dilemma Möglichkeiten hinzufügen:

Das aus einem Wunsch bzw. Bedürfnis ein Dilemma erwächst, welches „nur“ aus zwei Wegen besteht, liegt nicht unbedingt daran, dass es tatsächlich auch nur zwei unterschiedliche Möglichkeiten gibt. Viel wahrscheinlicher ist es, dass wir in dieser Situation ausschließlich diese beiden wahrnehmen und sowohl die Eine (kündigen) als auch die Andere (bleiben) für uns nicht attraktiv genug ist oder das Risiko, welches die Entscheidung jeweils in sich birgt, einfach zu groß für uns erscheint. Das heißt wir sehnen uns im eigentlichen Sinn nach einer Möglichkeit, die für uns leichter annehmbar wird, also einem sogenanntem Beides. Mögliche Verbindungen des oben beschriebenen Dilemmas sind zum Beispiel die Anzahl der Stunden im bestehenden Unternehmen reduzieren, um mit der neu gewonnen Zeit etwas Neues, zum Beispiel eine Selbstständigkeit entstehen zu lassen. Eine weitere Variante wäre auch sich im bisherigen Job eine Auszeit zu nehmen und sich mit vollem Einsatz einer neuen Aufgabe zu widmen. Unsere KundInnen im Karrierecoaching fühlen sich durch das Aufspüren weiterer Möglichkeiten dann oft erleichtert und können befreiter auswählen und entscheiden.

2.) Den Kontext der Frage auflösen:

Ein ergebnisloses hin und her oszillieren zwischen den Positionen bei einer Karriereentscheidung legt natürlich auch die Frage nahe, ob der Rahmen für die Fragestellung überhaupt der Richtige ist. In beruflichen Veränderungssituationen gelangen unsere KundInnen oftmals zu der Erkenntnis, dass die Frage, um die es für sie geht, eine andere ist. Dabei hilft Ihnen das gedankliche Experiment:“ Angenommen es ginge weder um das Eine noch um das Andere, sondern um keines von beidem … „. Bei diesem Experiment taucht dann zum Beispiel eine andere Frage auf: Wie gelingt es mir mehr Zeit mit meiner Familie/meinen Kindern zu verbringen? Oder was braucht es um meine Work-Life Balance im bisherigen Job zu verbessern? Die Erkenntnisse sorgen wiederum sehr schnell für mehr Klarheit und bringen unsere KundInnen einer guten Karriereentscheidung wieder einen Schritt näher.

Abschließend möchte ich noch bemerken, dass unsere Karriere nicht nur zeigt wofür wir uns entscheiden oder entschieden haben, sondern dass sich in unserem beruflichen Weg auch alles zeigt, wofür wir uns letzten Endes nicht entschieden haben. Das erleichtert es manchmal ebenfalls Karriereentscheidungen mit der dafür notwendigen Klarheit und Leichtigkeit treffen zu können.

Gutes Gelingen!

Michael Hanschitz

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